Als Mangaka auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2018
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15.10.2018

Als Mangaka auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Traditionellerweise beginnt eine standesgemäße Frankfurter Buchmesse für uns Carlsen Zeichner mit dem großen Verlags-get-together am Freitag im Goldmund. Zu diesem Anlass werden außergewöhnliche Erfolge und nationale, bzw. internationale Gäste bei einem leckeren, gemeinsamen Essen und etwas Wein gebührend und in familiärer Atmosphäre gefeiert.

Dabei bietet sich vor allem auch die Gelegenheit, ein kleines Pläuschchen mit den Kollegen aus dem Ausland zu halten und über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Berufsalltag zu philosophieren. Dieses Jahr war ein sehr sympathischer Herr aus den Niederlanden namens Typex zu Gast, welcher sehr offen für das Thema Manga war. Ich zitiere: „Oh, jetzt habe ich Lust darauf bekommen, einen Boys Love Manga zu zeichnen!“ Typex, ich warte sehnlichst auf deinen ersten Manga! Ich würde ihn auf jeden Fall lesen un viele andere sicher auch! :D Normalerweise zeichnet Typex gern im Stil von Popart, was sich in seinem aktuellen Werk, einer Andy Warhol Biografie, hervorragend widerspiegelt. Jedenfalls war Typex ein sehr interessanter Gesprächspartner und ich am Ende traurig, dass wir nicht mehr Zeit für kreativen Gedankenaustausch hatten. Aber das Bett rief - denn am nächsten Tag standen insgesamt drei Signierstunden auf dem Tagesplan.

Da ich momentan beruflich für einen Monat in Frankfurt bin, hatte ich bereits Gelegenheit, die verschiedenen Facetten der Stadt oberflächlich kennen zu lernen. Mein erster Eindruck war, dass es sich um eine Stadt der Gegensätze und Widersprüche handelt. Egal, wo ich mich befand, irgendwie passte ich optisch nie dazu. Mal fühlte ich mich zu sauber unter Obdachlosen, dann wieder richtig schmutzig und fusselig unter den ganzen glitzernden, polierten Geschäftsmännern und Frauen. Am Samstag Vormittag fühlte ich mich jedoch in meinem breiten Lolitakleid wie ein Alien vom Planeten Kawaii. XD 

Doch das Gefühl legte sich recht schnell, als ich in Halle 1.1 (Cosplay Area!!!) angekommen war und es mir unter Gleichgesinnten gemütlich machen konnte. Im Vergleich zum Arbeitsalltag als Comiczeichner, sind Verlags-Signierstunden sehr erholsam und erfrischend (geistig - körperlich sind sie natürlich anstrengend. Nach so einem Tag schläft man jedenfalls sehr gut :) ). Man trifft alte und neue Fans und bekommt heiß ersehntes Feedback zu den Stories, die man in der ewigen Einsamkeit seines Arbeitszimmers in unglaublicher Langsamkeit zusammen geschustert hat. Das sind immer ganz besondere Momente, die man nicht vergisst und an die man zurückdenkt, wenn man an sich zweifelt, oder mal wieder alles neu zeichnen möchte (danke also an alle, die vorbei gekommen sind und mit mir geplaudert haben! Besonders an diesen einen Leser, der mir meinen ersten, selbstgedruckten Manga vor die Nase gelegt hat, von dem ich SELBER kein eigenes Exemplar mehr besitze! Wow, das war Nostalgie PUR!).

Wichtig bei Signierstunden ist auch die Betreuung durch liebe Carlsen Mitarbeiter (Grüße an Sabrina, Petra und und Anne, an dieser Stelle :D), damit man nicht vergisst zu trinken und der Kaffee niemals ausgeht. Die meisten Zeichner würden das braune Gesöff ohne zu zögern auch intravenös zu sich nehmen...

 

 

Sehr gefreut habe ich mich am Samstag über eine Gruppe älterer Damen, welche mich über Manga ausgefragt haben. Da kamen Fragen wie: Wie lange gibt es das denn schon in Deutschland? Was ist denn das Japanische an IHREN Mangas? Oder: Die sehen ja gar nicht wie Japaner aus! Warum ist das so? Ich weiß nicht warum, aber wenn sich ältere Semester für meine Leidenschaft so sehr interessieren, blühe ich innerlich so richtig auf! :D

Am Sonntag habe ich das Lolita Kleid zuhause gelassen und bin in einem viel zu dicken oversized Pulli auf der Messe erschienen. Ich Idiot rechnete im Oktober mit Temperaturen zwischen 0° und 10°... Wer ahnt denn schon, dass so spät im Jahr noch die Sonne vom Himmel brennt?! Das war auf jeden Fall die heißeste Frankfurter Buchmesse, die ich JE erlebt habe.

Erfahrungsgemäß ist der Sonntag immer wesentlich gemütlicher und ruhiger, als der besuchsstarke Samstag. Und so war es dann auch. Der Vorteil: Man hat viel Zeit zum Ausschmücken von Signatur-Zeichnungen und den ein- oder anderen Plausch mit Lesern.

 

Mich unter meinem Pulli in menschliches Stinke-Wachs verwandelnd, habe ich schließlich den restlichen Tag damit verbracht, Freunde zu besuchen und mich hinter ihren Ständen mit Nahrung und Getränken nahezu nomadisch durchzuschmarotzen (danke an Igl, Kami und Kissen für Kaffee, hart gekochte Eier und Gummitiere :D - ich bin einfach zu doof, um selber Proviant einzupacken... :( ). Schließlich kapitulierte ich vor der absoluten Reizüberflutung hinter Horrorkissens Stand, setzte mich auf ihren Rollwagen, einer schmelzenden Kerze gleichend und zeichnete ein paar Striche an meinem Webmanga. Aber, to be honest.... so richtig produktiv ist man auf einer Messe nicht. Die T-Rex Bolognese war z.B. Ein ziemlich ablenkender Faktor (ich LIEBE T-Rex!!!!). (8.jpg)

 

Doch wenn man so lange auf dem Messegelände abhängt, entdeckt man nicht nur eine Kuriosität. Ich frage mich immer noch, was es mit diesen kleinen Aschenbechern auf der Toilette auf sich hat...? Dazu kann sich ja gerne jeder seine eigenen Gedanken machen :D 

 

Zuletzt ließ ich das wundervolle Wochenende mit drei guten Freunden in einem Restaurant nahe der Messe ausklingen, was sich als fataler Fehler heraus stellte. Messe + Messe-nahes Restaurant = Überfüllung = 1 Stunde darben, bevor das Essen kommt ;_; 

 

Was nehme ich also von der Frankfurter Buchmesse 2018 mit?

  1. Als Lolita in Frankfurt bist du „an English man in New York“.
  2. Ich lasse mir gerne vertrauensvoll einen intravenösen Kaffee-Zugang von meinen Carlsen-Buddies legen. :D
  3. Eine T-Rex-Bolognese lenkt beim Zeichnen mächtig ab, aber Aschenbecher auf‘m Klo sind für Raucher, die unter Obstipation leiden wohl sehr praktisch (denke ich)
  4. Nächstes Jahr pflanze ich einen Zitronenbaum auf dem Messegelände. Das Klima scheint dafür das passende zu sein
  5. Meine Leser sind die besten auf der ganzen Welt. Ohne Zweifel!

 

 

Hier geht's zu Melanies Manga Zeichentipps!


 

Melanie Schober, geboren am 23.3.1985 im idyllischen Saalfelden (Österreich) zeichnet seit frühester Kindheit mit Begeisterung Comics und Comic-Figuren. Im zarten Alter von dreizehn Jahren wurde sie mit dem »Sailormoon-Virus« infiziert und widmet sich seither der japanischen Mangakunst.

 

Mehr zu Melanie und ihren Werken.

 

 

 

 

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